Kinderwunsch News
Dem Kinderwunsch steht nichts entgegen
Manche Frauen haben Bedenken, dass nach Absetzen einer kontrazeptiven Methode ihre Fertilität beeinträchtigt ist. Solche Befürchtungen können dazu führen, dass auf Verhütung ganz verzichtet wird.
In den 1960er Jahren gab es Berichte über ein Syndrom mit Anovulation und Infertilität bei Frauen, die orale Kontrazeptiva genommen und dann abgesetzt hatten und vorher uneingeschränkt fertil waren. Später wurde die Existenz dieses “Post-Pillen-Syndroms” bestritten. Eine britische Arbeitsgruppe trug aus der Literatur Fakten zu diesem Fragenkomplex zusammen. Nach dem Absetzen oraler Kontrazeptiva oder eines Levonorgestrel-Intrauterinsystems registrierte man Einjahres-Schwangerschaftsraten im Bereich zwischen 79 % und 96 %; beim Kupfer-T waren es mit 71 % bis 91 % nicht viel weniger. Die Daten entsprechen weitgehend denen, die für den Gebrauch von Barrieremethoden zur Verhütung oder für Frauen ohne Kontrazeption bekannt sind.
Mansour, D. et al: Fertility after discontinuation of contraception: a comprehensive review of the literature. Contraception 84 (2011) 465-477.
Deutsche Frauen bekommen mehr Kinder als vermutet
Die Geburtenrate in Deutschland ist Forschern zufolge höher als bislang angenommen. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Demografische Forschung in Rostock gehen von einer Durchschnittsrate von 1,6 Kindern pro Frau aus. Sie korrigierten damit die amtlichen Geburtenraten nach oben, die bezogen auf das Jahr 2010 bislang von 1,46 Kindern pro Frau im Osten und 1,39 Kindern im Westen ausgingen.
Die Wissenschaftler stützen sich auf eine Zeitreihe von Krankenhausdaten. Dabei beobachteten die Forscher eine Trendumkehr: Nach jahrzehntelangem Rückgang stiegen die Geburtenzahlen in Deutschland demnach wieder leicht an. “Die Geburtsjahrgänge um 1970 scheinen die Trendwende zu markieren”, erklärte die Demografin Michaela Kreyenfeld. Frauen, die in den 70er-Jahren und später geboren wurden, bekämen offenbar wieder mehr Kinder. Zugleich werden die Mütter immer älter. 2008 wurden ostdeutsche Frauen im Schnitt mit 27,5 Jahren Mutter, im Westen mit 28,5 Jahren. Seit 2001 stieg das durchschnittliche Alter der Mütter damit um fast zweieinhalb Monate pro Jahr.
Quelle: Welt online (06.09.2011)
Die Einflüsse des Tabakkonsums auf die weibliche Fruchtbarkeit und auf die Ergebnisse einer künstlichen Befruchtung
Tabakrauch enthält mehr als 3.800 chemische Komponenten, 200 davon sind giftig, 43 kanzerogen. Die enthaltenen Giftstoffe greifen in jedes Stadium der Fortpflanzung ein und können so die Gesundheit der nächsten Generation beeinträchtigen. Zigarettenkonsum bewirkt bei Frauen nachweislich eine vorzeitige Monopause, weiterhin eine verminderte Chance auf eine Spontankonzeption sowie deutlich verminderte Erfolgsraten im Rahmen einer künstlichen Befruchtung.
Rauchende Männer weisen eine Reduktion der Spermienqualität und -beweglichkeit auf. Insbesondere werden vermehrt DNA-Schäden in den Spermien nachgewiesen, daher treten auch spätere embryonale und nachgeburtliche Störungen häufiger auf. Paare mit Kinderwunsch sollten daher dringend das Rauchen aufgeben.
Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie 2011
Genetische Prägung durch Umweltfaktoren
Wie stark Gene unser Leben beeinflussen, ist nicht leicht zu untersuchen. Selbst eineiige Zwillinge, welche das gleiche Erbgut haben, können sich äußerlich in bestimmten Merkmalen unterscheiden. Ursache hierfür ist die so genannte “Epigenetik”, d. h., Wechselwirkungen zwischen den Genen und äußeren Faktoren. Welche Bedeutung die Epigenetik für die menschliche Entwicklung und gegebenenfalls auch für ihre Störungen hat, ist an vielen Beispielen gut untersucht worden. So können ungünstige Einflüsse während der intrauterinen Entwicklung und der frühen Kindheit zu dauerhaften Veränderungen in der Physiologie und im menschlichen Stoffwechsel führen, so dass ein erhöhtes Risiko für Alterserkrankungen besteht. Zu den ungünstigen Einflüssen zählen beispielsweise ein Unter- und ein Überangebot von Nährstoffen sowie dauerhaft erhöhte Stresshormone während der Schwangerschaft. Interessant ist die Erkenntnis, dass wir nicht nur vorgeburtlich und in unserer frühen Kindheit geprägt werden, sondern eventuell auch durch die Lebensumstände unserer Vorfahren. Der Mensch ist also ganz eindeutig ein Produkt seiner Gene und der Umwelt.
Frauenarzt 11/2010
Progesterongabe: Was kümmert’s die Schwangerschaftsrate?
Nach In-vitro-Fertilisation (IVF) wird auch in Deutschland zur Unterstützung der Lutealphase Progesteron über acht bis zwölf Wochen vaginal appliziert. Es gibt jedoch Hinweise, dass dies überflüssig ist. Zur weiteren Klärung wollte nun eine aktuelle belgische Studie beitragen.
In die prospektive Studie wurden 200 Patientinnen mit positivem β-hCG-Test eingeschlossen, die zuvor eine ovarielle Stimulation erhalten und sich am dritten Tag der Präimplantationsentwicklung einem Embryotransfer unterzogen hatten. Vaginales Progesteron (3 x 200 mg) wurde nach dem positiven Schwangerschaftstest randomisiert bei der Hälfte der Frauen abgesetzt, bei der anderen Hälfte über weitere 14 Tage beibehalten.
Die fortlaufende Schwangerschaftsrate war unabhängig von der Progesteronapplikation. Sie lag in der zwölften SSW nach Absetzen von Progesteron bei 82 %, nach Fortführung von Progesteron bei 73 %. Frühgeburten und vaginale Blutungen waren in beiden Gruppen gleich häufig.
Kyrou, D. et al: Hum. Reprod. (2011); 26: 1020.
Kinderwunsch bei Frauen über 40 – Entscheidungsrelevante Faktoren für die Therapie
Die veränderte Lebensplanung vieler Frauen führt dazu, dass die Verwirklichung des Kinderwunsches in ein immer höheres Alter verlegt wird. Da die natürliche Fertilität kontinuierlich sinkt, suchen immer mehr Frauen > 40 Jahre mit Kinderwunsch reproduktionsmedizinische Praxen auf. Dies stellt in der täglichen Beratung eine Herausforderung dar.
Mit dem Alter der Frau steigt der Anteil von Eizellen, welche genetische Fehlverteilungen aufweisen, exponentiell an. Dafür sinkt die Eierstocksreserve kontinuierlich, was sich an abfallenden AMH-Werten erkennen lässt. Andere fertilitätseinschränkende Faktoren wie zum Beispiel Myome oder Nebenerkrankungen wie ein Diabetes mellitus treten zunehmend häufiger auf. Auch das Alter des Partners spielt hier möglicherweise eine Rolle. Letztendlich spielt auch die Dauer des Kinderwunsches eine entscheidende Rolle.
Das Beratungsgespräch über eine Möglichkeit bzw. die zu erwartenden Chancen einer Kinderwunschbehandlung sollte dementsprechend nicht zu spät gesucht werden, da nur durch den Spezialisten beurteilt werden kann, ob sich die altersentsprechend reduzierten Chancen durch eine – und wenn ja welche – Therapie verbessern lassen.
Frauenarzt 3/2011
Schmälert Angst die Chancen einer IVF?
Frauen, die sich für eine In-vitro-Fertilisation (IVF) entscheiden, stehen häufig unter Anspannung. Eine Metaanalyse untersuchte nun, ob Angst und depressive Stimmung die Chancen auf Nachwuchs aus dem Reagenzglas senken.
Die Metaanalyse berücksichtigte insgesamt 3.583 Frauen, die die psychische Verfassung der Frau vor Beginn einer IVF-Stimulation mit dem Eintritt einer Schwangerschaft korrelierten.
Im analysierten IVF-Zyklus wurden 1.151 von 3.583 Frauen schwanger. In der Gesamtwertung zeigte die Metaanalyse keinen signifikanten Effekt von Angst oder depressiver Stimmung auf die Schwangerschaftsrate bei einem nachfolgenden IVF-Zyklus.
Boivin, J. et al: BMJ (2011); 342: d223
IVF-Erfolg durch Aspirin nicht erhöht
Von 1980 bis 2010 wurden zehn geeignete, randomisierte, kontrollierte Studien zum Einfluss von Acetylsalicylsäure (ASS) auf die In-vitro-Fertilisation (IVF) identifiziert. An sechs Studien hatten 1.119 Frauen teilgenommen, von denen 557 mit niedrig dosierter ASS und 562 mit Placebo behandelt worden waren. Eine klinische Schwangerschaft in der sechsten Gestationswoche wurde bei 160 ASS-Patientinnen (28,7 %) und 179 unter Placebo (31,9 %) diagnostiziert. 129 bzw. 147 Frauen (23,6 % bzw. 26,7 %) waren auch noch in der zwölften Woche schwanger. Damit wirkte sich ASS tendenziell sogar nachteilig auf den Implantationserfolg aus.
Die Studienautoren schließen daraus, dass ASS die Schwangerschaftsrate nach IVF nicht erhöht. Ihr Ergebnis steht in Einklang mit neueren pathophysiologischen Daten, nach denen ASS nicht wie erhofft den intrauterinen Blutfluss verbessert.
Schumacher, B: gynäkologie + geburtshilfe (2011) 16; 11-12: 18.
Muss ich wirklich nach dem Transfer gleich aufstehen? Fällt da nichts raus?
Das Thema “liegen bleiben oder aufstehen” nach dem Embryotransfer ist offensichtlich für manche Patientinnen ein echtes Problem: Das Ergebnis der langen Mühen könnte rein gefühlsmäßig leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Rein wissenschaftlich ist die Akte längst “geschlossen”: Nach einer Metaanalyse besteht kein Unterschied in den Schwangerschaftsraten.
Bericht vom Intensivkurs für Fortgeschrittene Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin”, Hamburg, 14. bis 16. April 2011
Bei Kinderwunsch an Pertussis-Impfung denken!
Eine Impfung im Kindesalter gegen Pertussis hält nicht lebenslang. So können auch Erwachsene an Pertussis erkranken. Der Schutz einer Impfung hält etwa 10 Jahre, eine durchgemachte Pertussis-Infektion schützt für etwa 20 Jahre. Kommt es bei einem Neugeborenen zu einer Pertussis-Infektion, so sind Komplikationen wie Lungenentzündung und Atemnot vorprogrammiert. Vor allem Menschen, die einen engen Kontakt zu einem noch ungeschützten Säugling haben, sollten einen ausreichend hohen Impfschutz besitzen. Nach Empfehlungen sollten alle Frauen im gebärfähigen Alter geimpft werden.
Extracta gynaecologica 04/11, Band 4: 14
Eizellzahl als Fertilitätsmarker?
Eine hohe Zahl an Eizellen nach Stimulation ist bei Frauen über 40 Jahren kein Qualitätsmerkmal: So konnte das Team von Prof. Rosenwaks in New York in 150 Zyklen bei Frauen über 45 Jahren auch nach Punktion von mehr als 20 Eizellen nur fünf Lebendgeburten erzielen. Dies deckt sich mit Erfahrungen aus einer Klinik in Jerusalem (Dr. Tsafir): In Israel werden die Kosten bis zum 2. Kind und bis zu einem mütterlichen Alter von 45 Jahren übernommen. Aus diesem Grund erfolgt dort ein Drittel der Zyklen bei Frauen über 40 Jahre. Die Geburtenrate bei 6.000 Zyklen lag im Alter von 40 Jahren noch bei 12 % pro Zyklus, mit 41 Jahren bei 8 %, mit 42 Jahren bei 7 %, mit 43 Jahren bei 5 %, mit 44 Jahren bei 2 % und mit 45 Jahren bei 0,7 %. Nach dem 40. Lebensjahr sinkt die Schwangerschaftsrate jährlich um ca. 30 %, daher muss älteren Patientinnen von einem Aufschieben der Kinderwunschtherapie dringend abgeraten werden.
Fertinews, Ausgabe 132 – Juni 2011
Kurze Karenzzeit verringert Anteil von Spermien mit DNA-Schädigungen
Für eine Kinderwunschbehandlung (Insemination, IVF, ICSI) wird generell eine sexuelle Karenzzeit von 3-4 Tagen empfohlen. Eine Untersuchung liefert nun Hinweise dafür, dass eine kürzere Karenzzeit sinnvoll sein kann, weil der Anteil von Spermien mit Schädigungen des Erbmaterials (fragmentierte DNA) sinkt und damit die Wahrscheinlichkeit für eine gesunde Schwangerschaft steigt.
In der Studie mit Männern mit normalen Ejakulatbefunden wurde die DNA-Fragmentation der Spermien nach 24 und 3 Stunden Karenz ermittelt und mit den Werten nach 96 Stunden Karenz verglichen. Es kam zu einer deutlichen Verringerung des Anteils geschädigter Spermien, wenn eine kürzere Zeit zur letzten Ejakulation eingehalten wurde. Nach Ansicht der Autoren könnte diese Strategie vor allem für die Behandlung mit der ICSI relevant sein, wenn die Gesamtzahl der Spermien, die für die Befruchtung benötigt wird, von untergeordneter Bedeutung ist.
J. Gosalvez et al: Fertil. Steril.; 956: 5 (1083-1086) 2011
Welche FSH-Dosis ist zur Stimulationsbehandlung optimal?
Die Autoren durchsuchten die Datenbanken PubMed, EMBASE und Cochrane Library nach ran-domisierten Studien, in denen verschiedene Dosierungen für die Stimulation mit rekombinantem Follikel-stimulierendem Hormon (rFSH) ausgewertet wurden. Dabei wurden insgesamt 1.952 Zyk-len von Frauen bis zu einem Alter von 39 Jahren ausgewertet, die sich einer In-vitro-Fertilisation (IVF) bzw. einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion unterzogen.
Im Vergleich der Gruppen mit einer FSH-Dosis von 100 I. U. gegenüber 200 I. U. sowie von 150 I. U. gegenüber 200-250 I. U. ergab sich jeweils für die niedrigere Dosierung eine signifikant geringe-re Ausbeute von Oozyten. Die Schwangerschaftsraten unterscheiden sich jedoch nicht.
Die Wissenschaftler empfehlen auf Grund dieser Daten, die Stimulation mit einer Dosis von 150 I. U. zu beginnen.
springermedizin.de
Punktlandung bei idealen Embryonen durch deutschen Mittelweg
Eine morphologisch schlechte Embryonenqualität kommt scheinbar nicht so häufig vor, wie man dieses erwarten müsste. Von den im DIR-Jahrbuch 2009 prospektiv erfassten 38.523 Zyklen, bei denen die Embryonenqualität dokumentiert wurde, lagen in 21.151 Fällen zwei ideale Embryonen vor. Anders ausgedrückt, gelang den Reproduktionsmedizinern – vermutlich durch die Anwendung des “deutschen Mittelweges” – sozusagen eine Punktlandung. Zwei oder sogar drei ideale Embryonen sind im Register 2009 selbst bei einem erheblichen Teil der über 40-jährigen Patientinnen dokumentiert (30 bzw. 24,8 %). Trotz dieser guten Ausgangsvoraussetzungen liegt die Schwangerschaftsrate pro Transfer nur bei 17,7 bzw. 22,5 % – bedingt durch die deutlich verminderte Embryonenqualität bei Frauen über 40 Jahren.
Bericht vom Intensivkurs für Fortgeschrittene Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin”, Hamburg, 14. bis 16. April 2011
Zeigt sich Endometriose im Urin?
Endometriose ist eine schmerzhafte Erkrankung, die auch bei unerfülltem Kinderwunsch eine Rolle spielen kann. Bisher kann man Endometriose nur durch eine Bauchspiegelung diagnostizieren – ein invasives Verfahren, das nicht ohne Risiko ist.
Wissenschaftler aus Oxford untersuchten, ob das Profil von im Urin ausgeschiedenen Peptiden (Peptide = Eiweißbausteine) zeigen kann, ob eine Patientin an Endometriose leidet und wenn ja, wie stark ausgeprägt die Erkrankung ist. In einer zunächst kleinen Studie konnten verschiedene Peptidmarker identifiziert werden, welche eine Endometriose anzeigen konnten. Darüber hinaus wurden Marker identifiziert, die den Ausprägungsgrad zeigen konnten. Die Autoren schlussfolgern aus den Resultaten, dass eine Peptidanalyse im Urin eine neue Methode werden könnte, um einerseits Endometriose zu diagnostizieren und andererseits eine Stadieneinteilung vornehmen zu können.
springer.Medizin.de, basierend auf El Kasti MM et al. Urinary peptide profiling identifies a panel of putative biomarkers for diagnosing and staging endometriosis. FertilSteril 2011; 95 (4): 1261-6
Politische Veränderungen beeinflussen Kinderwunsch
Wie realitätsbezogen sich Frauen für Kinder entscheiden, zeigen die Veränderungen der deutschen Wiedervereinigung 1990. Innerhalb weniger Jahre sank die Geburtenrate und erreichte 1994 mit 0,8 Kindern pro Frau den Tiefpunkt. Bis heute stieg die Rate auf 1,4. Für einen gleichbleibenden Bevölkerungsstand müsste eine Frau 2,1 Kinder zur Welt bringen.
gynäkologie und geburtshilfe, Ausgabe 12
Umweltgifte und PCO-Syndrom?
Frauen mit PCO-Syndrom haben höhere Konzentrationen von Bisphenol A.
BPA ist eine weit verbreitete Substanz, die bei der Herstellung von Kunststoffen Verwendung findet. Wissenschaftler konnten im Tierexperiment zeigen, dass eine BPA-Exposition bei neugeborenen Tieren zu einem PCO-Syndrom führen kann. Weitere Forschungen sind hier erforderlich, um “Risikosubstanzen” für den Menschen herauszufinden.
Der Gynäkologe, Februar 2011
Kehrtwende der Cochrane-Analysten: Antagonisten sind sicherer
Professor Heskan Al-Inany hat eine “Kehrtwende” bei der Stimulation vorgestellt. Mit den inzwischen großen Zahlen wird jetzt aufgrund der höheren Sicherheit das Antagonisten-Protokoll als erste Wahl für die ovarielle Stimulation empfohlen, nicht mehr das lange Protokoll. Im Vergleich liege die Überstimulationsrate (OHSS) unter Antagonisten mit 1,91 % nur knapp halb so hoch wie im Long-Protokoll (3,74 %).
Bericht vom 10th International Symposium on GnRH, Salzburg 6.-8. Februar 2011
Stimulation besser individualisieren
Bei reduzierter Eierstockreserve geht das Antagonisten-Protokoll mit einer geringeren Belastung der Patientin einher. Für Richard Fleming (Glasgow) ist klar, dass hohe FSH-Dosen keinen Nutzen für die Patientin bringen. Bei niedrigem AMH hat er relativ häufig eine vorzeitige Luteinisierung beobachtet.
Für Dr. Juan Garcia-Velasquez aus Madrid ist der AMH-Wert nur “die halbe Miete”. Er spiegelt zwar die Quantität der Follikel wider, aber nicht deren Qualität. Mit “milderer” Stimulation waren mehr Eizellen bzw. Embryonen chromosomal normal ausgestattet als bei stärkerer (22,5 versus 16,1 %).
Bericht vom 10th International Symposium on GnRH, Salzburg 6.-8. Februar 2011
Progesteron als Abortprophylaxe bleibt fraglich
In IVF/ICSI-Zyklen steht der Nutzen von Progesteron in der Lutealphase außer Frage. Der Goldstandard ist die vaginale Gabe. Obwohl weit verbreitet bis zur 10. SSW oder länger verabreicht, besteht keine Evidenz für signifikant verbesserte Schwangerschaftsraten.
Privatdozentin Dr. Barbara Sonntag aus Hamburg spricht sich in der Praxis für das frühzeitige Absetzen aus, nachdem im März eine Studie in Human Reproduction den fehlenden Nutzen auch im Antagonistenzyklus gezeigt (Kyrou et al., 2011) und damit schon vorbekannte Daten zu Agonistenzyklen bestätigt hatte (Anderesen et al., 2002).
Nach einer retrospektiven Studie zur Abortprophylaxe mit Progesteron im IVF-Programm resultierte bei der Gabe bis zur 12. SSW verglichen mit dem Absetzen nach positivem Schwangerschaftstest kein Unterschied in der klinischen Schwangerschafts- und Lebendgeburtenrate.
Bericht vom Intensivkurs für Fortgeschrittene Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin”, Hamburg, 14. bis 16. April 2011
Prävention eines Überstimulationssyndroms durch Antagonisten-Protokoll gesichert
Die aktuelle Cochrane-Analyse, die beim ESHRE-Kongress in Stockholm präsentiert wird, umfasst 28 Studien mit insgesamt über 7.000 Zyklen. Sie zeigt keinen Unterschied in der Lebendgeburtenrate. Als klinisch sehr relevant zeigte sich in der aktuellen Cochrane-Analyse die Primärprävention des Überstimulationssyndroms beim Antagonisten-Protokoll: Das Risiko eines Überstimulationssyndroms ist im Antagonistenprotokoll 50 % niedriger als im Longprotokoll.
Bericht vom Intensivkurs für Fortgeschrittene Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin”, Hamburg, 14. bis 16. April 2011
Frauen in Deutschland bringen mehr Kinder zur Welt
Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, betrug die durchschnittliche Kinderzahl je Frau im vergangenen Jahr 1,39. Damit liegt die Ziffer so hoch wie seit 1990 nicht mehr. Insgesamt kamen 2010 rund 678.000 Kinder zur Welt – etwa 13.000 mehr als im Jahr zuvor. Auffallend für die Statistiker: Mehr Frauen bekamen zweite und dritte Kinder. Unterschiede gibt es weiter zwischen West- und Ostdeutschland. Im Westen lag die durchschnittliche Zahl je Frau bei knapp 1,39 Kindern. Im Osten stieg sie auf 1,46.
Mitteilung Statistisches Bundesamt