PICSI

Die Auswahl eines geeigneten Spermiums für die ICSI ist mit entscheidend für die erfolgreiche Befruchtung einer Eizelle und für die Entstehung eines lebensfähigen Embryos. Besonders wichtig ist dabei die Beschaffenheit des Erbmaterials im Spermium. Dieses sollte intakt sein und keine Brüche (so genannte DNA-Fragmentation) aufweisen.

In Fällen mit einem erhöhten Anteil genetisch auffälliger Spermien, z. B. bei einem bekannten Fragmentationsindex DFI größer 30 % (siehe HALO-Test) oder bei besonders schlechten Spermienergebnissen nutzen wir den so genannten Hyaluron-Bindungstest, um vor der ICSI die genetisch intakten Spermien zu finden. Nur “reife” Spermien mit einem geringen Anteil an DNA-Veränderungen sind in der Lage, sich an Hyaluronat zu binden. Sie können hier identifiziert und für die ICSI eingesammelt werden. Es handelt sich dabei um die Nachahmung der natürlichen Auswahl der Samenzelle beim Befruchtungsprozess. Es gilt das gleiche Prinzip: Nur reife Spermien können sich mit dem Eizell-Kumuluskomplex verbinden. Bei der konventionellen ICSI entfällt ein solcher Schritt. Nutzt man zusätzlich den Hyaluron-Bindungstest, wird die ICSI “physiologischer”. Man nennt das gesamte Verfahren deshalb p(hysiologische) ICSI.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung (Parmigani et al. 2010) kann mit der pICSI die Sicherheit, ein Spermium mit intaktem Erbmaterial zu verwenden, um ungefähr das Vierfache erhöht werden. Die zusätzlichen Kosten für die Methode betragen etwa 284 Euro und werden nicht von den Krankenkassen übernommen.

Ist der Spermienbefund nur leicht eingeschränkt oder wurde im HALO-Test ein guter DFI-Wert nachgewiesen, kann bei der ICSI auf die Hyaluron-Bindung verzichtet werden. Hier reichen die normalen Vorbereitungsmaßnahmen der Spermien vor der ICSI aus (Dichtegradient und Waschen in Kulturmedium).

TESE (Testikuläre Spermienextraktion)

Wenn im Ejakulat keine Spermien vorhanden sind (Azoospermie), kann Gewebe mit Samenzellen operativ direkt aus dem Hoden gewonnen werden. Anschließend werden die Proben eingefroren (kryokonserviert).  Nach einer speziellen Aufarbeitung des Gewebes können einzelne Spermien isoliert werden und stehen so für die ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) zur Verfügung.

Krykonservierung vorbefruchteter Eizellen

Eizellen, die eine normale Befruchtung aufweisen, aber nicht für den Embryotransfer weiter kultiviert werden, können eingefroren und so für einen späteren Behandlungszyklus aufgehoben werden.

Dazu werden die Eizellen in kleine Röhrchen (Straws) verpackt. Die Lagerung bei -196 °C in flüssigem Stickstoff ist für unbestimmte Zeit möglich.

Blastozystenkultur

Embryonen werden möglichst am 2. oder 3. Tag ihrer Entwicklung in die Gebärmutter übertragen. Es besteht auch die Möglichkeit, die Embryonen noch weitere Tage zu kultivieren. Diese verlängerte Kultur erlaubt häufig eine bessere Einschätzung der Entwicklungsfähigkeit eines Embryos. Die Eizellen werden dann am 5. Tag ihrer Entwicklung im Blastozystenstadium übertragen.

In-vitro-Maturation (IVM)

Es besteht die Möglichkeit, Eizellen ohne intensive hormonelle Stimulation zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu entnehmen. In dieser Phase sind die Eizellen noch unreif. Befruchtungsfähig sind sie erst nach einer 30-stündigen Inkubation im Brutschrank (IVM). Jetzt kann die übliche IVF oder ICSI durchgeführt werden.

Der Vorteil dieser Methode ist das Ausbleiben einer Überstimulierung der Eierstöcke, wie es besonders bei Frauen mit polycystischen Ovarien bei der regulären IVF/ICSI auftreten kann.

Der Nachteil ist die sehr schlechte Erfolgsquote (15-20 %). Die Methode hat sich deshalb nicht durchgesetzt.